Viel Herz für den Job – aber wenig Brot?

Viel Herz für den Job – aber wenig Brot?

Das Interesse an einem Auftrag und der Sinn, der in diesem Job steckt, ist oft wichtiger, als das Geld, das dafür bezahlt wird. So geht es vielen Designern und Designerinnen.

Hast du auch schon Kunden bedient, die zu wenig Budget haben? Wo du mehr Leistung reingesteckt hast, als das Budget hergab und letztlich für zu wenig Geld gearbeitet hast?

Oft liegen nachvollziehbare Motive dahinter, wie:

  • „Auch Kunden mit wenig Budget, z.B. Theater, Museen, Kommunen haben gutes Design verdient und deshalb möchte ich sie unterstützen.“ Soweit so gut, denn eine gute Tat ist ehrenwert.
  • Oder: „Ich finde den Auftrag so interessant, dass ich bereit bin, unter Normalpreis zu arbeiten.“ Auch das ist verständlich. So etwas kann man sich ja mal gönnen.
  • Oder: „Ich werde einen hohen Lerngewinn haben (alternativ: Ich werde eine gute Referenz bekommen) und deshalb möchte ich den Job machen“. Warum nicht, wenn man einen Nutzen daraus zieht?

Das Problem ist nur: Wenn du das öfter machst, schadest du dir wirtschaftlich. Und mitunter folgt sogar eine menschliche Enttäuschung.

Das zeigen die folgenden zwei Beispiele:

Eine Designerin hat mir erzählt, dass sie für den Kindergarten „für lau“ ein neues Logo und einige Kommunikationsmittel gestaltet hat. Die Kindergartenleiterin war begeistert, der Elternbeirat war anderer Meinung. Es kam zu Differenzen und unfreundlichen Äußerungen. Gedankt wurde ihr die Arbeit nicht.

Von einem Designer, den ich gecoacht habe, weiß ich, dass er drei Jahre lang für eine Ausstellung gearbeitet hat und dabei auf ein Viertel seines normalen Honorars verzichtet hat. Weil es einfach Spaß gemacht hat, weil die Beziehung zum Kunden so freundschaftlich war, weil er voller Stolz sehen konnte, wie wirksam sein Design in der Öffentlichkeit war.

Nach drei Jahren wandelte sich das Blatt durch einen Personalwechsel. Der neue Verantwortliche wollte die offenen Daten haben – denn es gab einen Mitbewerber, der noch weniger Honorar wollte. Es kam zu Differenzen und letztendlich hat der Designer den Kunden verloren.

Bitte nicht falsch verstehen: Natürlich kannst du für wenig oder gar kein Geld Projekte annehmen, wenn du einen Sinn darin siehst. Aber das ist kein Business, sondern du entscheidest dich für einen Freundschaftsdienst oder ein Ehrenamt. Und das kann sich eigentlich nur jemand leisten, der seine Schäfchen im Trockenen hat.

Außerdem besteht die Gefahr, dass dein Kunde deine Unterstützung nicht genügend zu schätzen weiß. Er denkt: „Das ist doch schnell gemacht“. Er versteht nicht, wie viel Gehirnschmalz, Herzblut und Arbeit sein Projekt erfordert. Damit verliert dein Design an Wert und es ist eine Demütigung für dich und deine Arbeit.

Neben den wirtschaftlichen Einbußen und mangelnder Wertschätzung gibt es noch viele weitere Nachteile:

Welche negativen Aspekte sind das?

  • Überlastung:

Wenn du Jobs unter Normalpreis machst, musst du das Geld mit anderen Aufträgen wieder reinholen. Das kann zu Stress führen.

  • Qualitätsverlust

Möglicherweise vernachlässigst du wegen dieser Überlastung andere wichtige Jobs, was zu weniger Qualität oder zu verspäteter Lieferung führt.

  • Unfairer Wettbewerb

Niedrige Preise (auch wenn sie aus ehrenwerter Absicht erfolgen) verzerren den Marktwert von Design und schaden letztendlich der Branche

  • Energieausgleich fehlt

Wenn du mehr Energie in Form von Leistung gibst als du in Form von Geld zurückbekommst, dann kann das (nein, dann wird das sogar auf Dauer) dein Selbstwertgefühl beeinträchtigen.

  • Wenig Kundenbindung

Kunden, die man über den Preis gewinnt, verliert man auch über den Preis. Denn es gibt immer noch irgendwo einen billigeren Anbieter, zu dem dein Kunde bereit wäre zu wechseln.

  • Falsche Sogwirkung

Wenn du Referenzen von Kunden zeigst, die in erster Linie an niedrigen Preisen interessiert sind, dann ziehst du weitere solcher Kunden automatisch an.

Natürlich gibt es trotzdem ehrenwerte Gründe, als Freundschaftsdienst einen Job für wenig oder gar kein Geld abzuwickeln. Aber bitte mach deinem Auftraggeber dabei immer klar, was er normalerweise bei dir bezahlen müsste, damit er den Wert zu schätzen weiß. Und mach dir auch immer klar, wieviel deiner Energie und wieviel Geld du dabei gerade verschenkst und ob du dir das leisten willst.

Ich freue mich, wenn ich dich zum Nachdenken anregen konnte und noch mehr freue ich mich, wenn du mir deine Erfahrungen mitteilst. Ich bin schon sehr gespannt.

 

Fotoquelle: Pixels.com – Monstera Production 

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